Banlieue, mon amour ingouvernable…

Den Film „La Hain“ habe ich vor vielen, vielen Jahren zum ersten Mal gesehen. Diese Kamerafahrt ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Konterkariert von der Botschaft der Musik, die bereits die ganze Geschichte erzählt (Assassin de la Police – Non, je ne regrette rien) , ist dies – in meiner Erinnerung – der einzig unbeschwerte Moment dieses grandiosen Films. Die Beschallung des gesamten Viertels durch den DJ am offenen Fenster ist keine Ruhestörung, sondern Soundtrack des auf dem Spielplatz und den Straßen stattfindenden Lebens.

An dieser Stelle des Films ist die Architektur nicht kalt und abweisend. Die Bewohner der Banlieues haben sich eingerichtet, haben den Raum eingenommen und besetzt. Die Stadt als Ort der Selbstbehauptung. Die vermeintliche Freiheit, die dahinter steckt, wird in der Geschichte tragisch bestraft.

Der Vogelflug der Kamera, der so tiefen Eindruck auf mich gemacht hat, spiegelt das Bedürfnis, sich Überblick zu verschaffen. Überblick und damit Durchblick und Überlegenheit. Im Prinzip ist es das Faszinosum Google-Satellit oder der ach so alte menschliche Wille zur Kartographie. Wer den Überblick hat, hat die Macht oder – um bei Foucault zu bleiben: kann sie erfolgreich behaupten. Auch in diesem Film behauptet der Staat per polizeilichem Machtregime seinen Überblick. Der Ordnung halber.

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